Etappe 6 von 6

Webanalyse und Kennzahlen

Ohne Messung bleibt Marketing ein Bauchgefühl. Mit zu viel Messung versinken Sie in Zahlen, die niemand nutzt. Die letzte Etappe des Wegweisers zeigt, wie Sie eine schlanke, datenschutzfreundliche Analyse aufbauen und aus wenigen Kennzahlen klare Entscheidungen ableiten.

ZielEntscheidungen statt Zahlenfriedhof
RhythmusMonatlicher Kurzbericht
GrundsatzDatenschutz von Anfang an

Warum messen – und was eigentlich?

Webanalyse beantwortet drei grundlegende Fragen: Woher kommen die Menschen auf Ihrer Website? Was tun sie dort? Und führt das zu dem, was Sie sich wünschen – Anfragen, Bestellungen, Bewerbungen? Alles andere ist Beiwerk. Wer diese drei Fragen im Blick behält, vermeidet den häufigsten Fehler: Dutzende Berichte, die niemand liest.

Werkzeuge im Überblick

Es gibt nicht das eine richtige Werkzeug. Wichtig ist, dass es zu Ihrem Bedarf und Ihrem Datenschutzanspruch passt.

WerkzeugMerkmaleHinweise
Google Search ConsoleSuchanfragen, Klicks, IndexierungKostenlos, keine Cookies auf Ihrer Website nötig – Pflichtwerkzeug für SEO
Google Analytics 4Umfangreich, gut mit Google Ads verknüpfbarEinwilligung erforderlich, Datenübermittlung in die USA dokumentieren
Matomo (selbst gehostet)Daten bleiben auf eigenem ServerJe nach Konfiguration datensparsam betreibbar, technischer Aufwand höher
Cookielose AnalysewerkzeugeEinfache, aggregierte StatistikenGeringerer Funktionsumfang, oft ausreichend für kleine Websites
Datenschutz zuerst

Sobald ein Werkzeug Informationen auf dem Endgerät speichert oder ausliest, die nicht unbedingt erforderlich sind, ist nach § 25 TDDDG grundsätzlich eine Einwilligung nötig. Prüfen Sie zudem die Rechtsgrundlage nach DSGVO, schließen Sie Auftragsverarbeitungsverträge und beschreiben Sie den Einsatz in der Datenschutzerklärung.

Die richtigen Kennzahlen wählen

Kennzahlen sollten sich aus Ihren Zielen ableiten. Ordnen Sie sie in drei Ebenen:

Ebene 1: Ergebnis

Was am Ende zählt: Anzahl qualifizierter Anfragen, Bestellungen, Terminbuchungen oder Bewerbungen. Diese Zahl gehört ganz oben in jeden Bericht.

Ebene 2: Wege dorthin

Welche Kanäle bringen diese Ergebnisse? Organische Suche, Anzeigen, Newsletter, soziale Netzwerke, direkte Aufrufe. Hier sehen Sie, wo sich Investitionen lohnen.

Ebene 3: Diagnose

Kennzahlen, die erklären, warum etwas funktioniert oder nicht: Absprünge auf bestimmten Seiten, Ladezeiten, Formularabbrüche, Klicks auf Telefonnummern. Diese Werte schauen Sie sich nur an, wenn auf Ebene 1 oder 2 etwas auffällt.

Dashboard mit Diagrammen zu Besuchern und Verweildauer
Dashboards sind nur so gut wie die Fragen, die man an sie stellt.

Conversions sauber definieren

Eine Conversion ist eine Handlung, die für Ihr Geschäft wertvoll ist. Legen Sie fest, welche Handlungen das sind, und richten Sie die Messung gezielt ein:

  • Absenden des Kontaktformulars (gemessen über eine Dankeseite oder ein Ereignis),
  • Klick auf die Telefonnummer oder E-Mail-Adresse,
  • Download einer Preisliste oder Checkliste,
  • Newsletter-Anmeldung nach Bestätigung,
  • Abgeschlossene Bestellung im Onlineshop.

Wichtig: Nicht jede Conversion ist gleich viel wert. Eine Anfrage für ein Großprojekt wiegt schwerer als ein Prospekt-Download. Notieren Sie im Vertrieb, über welchen Kanal Kundinnen und Kunden kamen – so verbinden Sie Online-Daten mit echtem Umsatz.

UTM-Parameter: Kampagnen eindeutig zuordnen

Wenn Sie Links in Newslettern, Social-Media-Beiträgen oder Kooperationen teilen, können Sie sie mit UTM-Parametern versehen. Das sind Zusätze an der Adresse, etwa ?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=herbst. Ihr Analysewerkzeug erkennt daran, woher ein Besuch stammt. Legen Sie eine einheitliche Schreibweise fest (alles klein, keine Leerzeichen), sonst zerfallen die Daten in viele Einzelzeilen.

Ein Reporting, das gelesen wird

Ein guter Monatsbericht passt auf eine Seite. Bewährt hat sich diese Struktur:

  1. Ergebnis des Monats im Vergleich zum Vormonat und zum Vorjahresmonat.
  2. Kanäle mit ihrem Beitrag zu den Ergebnissen.
  3. Drei Beobachtungen: Was fällt auf, was hat sich verändert?
  4. Drei Maßnahmen für den nächsten Monat – mit Verantwortlichen.

Vergleichen Sie Monate mit Bedacht: Saisonale Schwankungen, Ferienzeiten und Feiertage verzerren Ergebnisse. Der Vergleich mit dem Vorjahresmonat ist oft aussagekräftiger.

Eine Kennzahl ist nur dann nützlich, wenn Sie vorher wissen, was Sie tun, wenn sie steigt oder fällt.

Grenzen der Messung kennen

Webanalyse zeigt nie das vollständige Bild. Menschen lehnen Cookies ab, nutzen mehrere Geräte, sehen eine Anzeige und rufen eine Woche später direkt an. Akzeptieren Sie diese Unschärfe und ergänzen Sie die Zahlen durch einfache Fragen im Kundengespräch: „Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?“ Diese Antwort ist oft verlässlicher als jedes Attributionsmodell.

Einrichtung in fünf Schritten

  1. Ziele aufschreiben: Welche drei Handlungen auf der Website sind für Ihr Geschäft am wichtigsten?
  2. Werkzeug wählen: Passend zu Ihrem Bedarf und Ihrem Anspruch an Datensparsamkeit. Für viele kleine Websites reicht eine cookielose Lösung plus Search Console.
  3. Einwilligung klären: Falls nötig, Einwilligungsbanner einrichten und testen, ob das Werkzeug erst nach Zustimmung lädt.
  4. Conversions einrichten: Formular, Telefon-Klick, Downloads – und mit Testanfragen prüfen, ob die Messung funktioniert.
  5. Datenschutzerklärung aktualisieren und den Einsatz im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten dokumentieren.

Die Search Console richtig nutzen

Die Google Search Console ist für viele Unternehmen das ergiebigste kostenlose Werkzeug überhaupt. Sie zeigt, bei welchen Suchanfragen Ihre Seiten angezeigt und angeklickt wurden, auf welcher durchschnittlichen Position sie standen und ob es technische Probleme gibt. Besonders wertvoll sind diese Auswertungen:

  • Suchanfragen mit vielen Impressionen, aber wenigen Klicks: Hier lohnt es sich, Seitentitel und Beschreibung zu verbessern.
  • Seiten auf Position 8 bis 20: Diese Seiten sind nah an der ersten Ergebnisseite – oft reicht eine inhaltliche Überarbeitung.
  • Indexierungsberichte: Werden wichtige Seiten nicht aufgenommen, liegt meist ein technisches Problem vor.

Da die Search Console Daten von Google-Seite liefert und keine Skripte auf Ihrer Website benötigt, ist sie auch aus Datenschutzsicht unkompliziert.

Typische Fehler bei der Messung

  • Interne Zugriffe mitzählen: Besuche aus dem eigenen Team verfälschen gerade bei kleinen Websites die Zahlen. Filtern Sie sie, soweit Ihr Werkzeug das datenschutzfreundlich erlaubt.
  • Doppelte Messung: Wird ein Skript versehentlich zweimal eingebunden, verdoppeln sich Aufrufe und Conversions. Prüfen Sie nach jeder technischen Änderung stichprobenartig.
  • Ziele ohne Test: Senden Sie nach der Einrichtung jeder Conversion eine Testanfrage und kontrollieren Sie, ob sie korrekt erfasst wird.

Der Weg ist ein Kreislauf

Mit der Webanalyse schließt sich der Kreis des Wegweisers: Die Daten zeigen, wo Ihre Suchmaschinenoptimierung nachjustiert werden sollte, welche Inhalte wirken und welche Kampagnen sich lohnen. Wer regelmäßig misst, lernt und anpasst, kommt Schritt für Schritt voran. Vertiefende Hinweise bietet der Beitrag Marketing-Kennzahlen verstehen.